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Jaël will sich nicht mehr schämen – immer mehr junge Frauen lassen sich ihre Brüste verkleinern

  • Autorenbild: Lisa Aeschlimann
    Lisa Aeschlimann
  • 10. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

Die 20-jährige Jaël leidet unter ihren grossen Brüsten. Für ein Leben ohne Schmerzen und ständige Blicke lässt sie sich operieren. Über einen Trend zwischen Selbstermächtigung und neuen Schönheitsidealen.



Jaël S. hat aufgehört, in die Badi zu gehen. Sogar in den Familienferien meidet sie den Strand. Beim Sitzen krümmt sie ihren Rücken, lässt die Schultern nach vorne fallen. Sie sagt: «Ich schäme mich.»


Jaël ist 20 Jahre alt und trägt BH-Grösse D. Seit Jahren leidet sie unter ihrer Oberweite. Meistens verdeckt sie sie. Nun steht sie im Behandlungszimmer in einem Zürcher Altbau am Utoquai. Es riecht nach Desinfektionsmittel. Jaël trägt einen weissen Bademantel, darunter nur Unterhosen.


Doktor Farid Rezaeian kommt ins Zimmer und bittet Jaël, den Bademantel zu öffnen. Kniend zeichnet er mit einem Edding-Marker Linien auf ihre Brust: von der Brustwarze senkrecht nach unten, danach entlang der Unterbrustfalte, zurück zum Warzenhof. Ein stumpfwinkliges Dreieck. Jaël fragt schüchtern, ob man nach der Operation schon sehe, dass die Brüste sichtbar kleiner seien? Das sei ihr sehr wichtig. Ja, das werde man, antwortet er ihr.


Nur wenige Minuten später wird Rezaeian an den markierten Stellen mit dem Skalpell die Haut auftrennen. Und Jaëls Brust verkleinern.


Für Rezaeian, Facharzt für plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie in der Zürcher Clinic Utoquai, ist der Eingriff Routine. Für Jaël ist es die Hoffnung auf ein besseres Leben. Eines ohne Scham und ohne Schmerzen.


Jaël ist kein Einzelfall. Immer mehr Frauen lassen sich ihre Brüste verkleinern. Und sie werden immer jünger. Bei den Frauen unter 34 Jahren hat sich ihr Anteil gemäss der medizinischen Statistik der Schweizer Spitäler seit 2019 vervierfacht. Auch die Clinic Utoquai erhält vermehrt Anfragen von jungen Frauen.


Laut Studien sind weltweit über 70 Prozent der Frauen unzufrieden mit ihren Brüsten. Auch Jaël kennt das: «Keiner meiner Freundinnen gefällt ihr Aussehen. Die, die kleine Brüste haben, wollen grössere, und die anderen wollen kleinere.»


Sind Brustverkleinerungen nun Selbstermächtigung oder nur Ausdruck eines weiteren Schönheitsideals, dem sich Frauen unterwerfen?


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